»WIND, SAND UND STERNE – DIE WÜSTE« – von Antoine de Saint-Exupéry
In WIND, SAND UND STERNE schildert Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) seine Erlebnisse als Postflieger in den 1920er- und 1930er-Jahren auf gefährlichen Flugrouten über Afrika und Südamerika. Er berichtet von riskanten Flügen, technischen Pannen, einer Notlandung in der Sahara und Begegnungen mit Menschen unter extremen Bedingungen. Aus diesen Erfahrungen entwickelt er Gedanken über Mut, Verantwortung, Freundschaft, Freiheit und den Sinn des menschlichen Handelns.
Nach langen, schwierigen Verhandlungen gelingt es Antoine de Saint-Exupéry den Sklaven Bark freizukaufen. „Versteck mich in deinem Flugzeug. Nimm mich mit nach Marakesch“, murmelte er im Vorübergehen. Andere Sklaven hatten sich mit ihrem Schicksal abgefunden, vergaßen ihren Namen, dienten stumm und legten sich in den Sand der Wüste, wenn es zu Ende ging. Bark nicht. Er hatte die Erinnerungen an sein Leben in Freiheit nie aufgegeben. Er war ein König gewesen und regierte hunderte von Schafen und Ziegen. Er hatte Frau und Kinder – bis sie kamen, ihn in die Stadt lockten, überwältigten und verkauften. Nun diente er seinem Herrn, bereitete den Tee und wartete. Früh hatte ihn Antoine in seinem Flugzeug versteckt, aus Angst die Besitzer könnten es sich noch anders überlegen. Nun war der Augenblick gekommen, das Flugzeug startete, hob ab. „Ich bin nicht Bark. Ich bin Mohammed ben Lhaussin.“ Er war frei und hatte mithin alles, was ein Mensch braucht, das Recht auf Liebe, das Recht hinzugehen, wohin er wollte, und sein Brot mit seiner Arbeit zu verdienen. Geld brauchte er dafür nicht. Aber er fühlte mit derselben Stärke, mit der der Hunger über uns kommt, eine Sehnsucht, Mensch unter Menschen zu sein.
Antoine de Saint-Exupéry
Antoine Jean-Baptiste Marie Vicomte de Saint-Exupéry geboren am 29. Juni 1900 in Lyon, wuchs in begüterten Verhältnissen bei seinen Eltern auf. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Familiensitz in Südfrankreich. Im Alter von vier Jahren verlor er seinen Vater. Darauf wurde er allein von der Mutter erzogen. Ab 1909 besuchte er eine Jesuitenschule. 1914 wechselte er bis zu seinem Abitur im Jahr 1917 in ein Internat bei Villefranche. Im Anschluss studierte er Architektur an der Ecole des Beaux Arts in Paris. Seinen Militärdienst leistete er ab 1921 bei der französischen Luftwaffe in Straßburg. Hier wurde de Saint-Exupéry zum Piloten ausgebildet und erhielt nach seinem Austritt aus der Armee 1925 eine Anstellung bei zivilen Fluggesellschaften, ab 1926 bei der Air France. 1927 reiste de Saint-Exupéry nach Toulouse, wo er Pilot für Frachtgüter mit Ziel Dakar und Casablanca wurde. Zu dieser Zeit erschien unter dem Titel SÜDKURIER (1928) seine erste Publikation. 1929 zog de Saint-Exupéry nach Buenos Aires, wo er Direktor einer Fluggesellschaft wurde. Bereits 1931 kehrte er jedoch wieder nach Frankreich zurück und heiratete in Paris Agay Suncin. Weiter erschien im selben Jahr unter dem Titel NACHTFLUG sein zweites Buch. Beruflich flog de Saint-Exupéry wieder für die Air France Langstreckenflüge von Paris nach Asien. Bei einem Absturz seiner Maschine auf dieser Route überlebte er 1935 dank einer glücklichen Notlandung in der Wüste. Dieses Erlebnis verarbeitete er in WIND, SAND UND STERNE. 1938 wurde de Saint-Exupéry nach New York bestellt und für den Frachtflugdienst nach Feuerland eingesetzt. Nach einem schweren Unfall in Guatemala kehrte er 1939 wieder zu seiner Familie nach Paris zurück, wo er sein Buch WIND, SAND UND STERNE beendete und veröffentlichte. Im selben Jahr wurde de Saint-Exupéry für dieses Werk mit dem Romanpreis der Académie Francaise bedacht. Antoine de Saint-Exupéry formulierte in seinen Arbeiten Lebenserfahrungen, die er als Pilot sammelte und literarisch in Märchen und Romane kleidete. Im Zweiten Weltkrieg wurde er ab 1940 in einer Fernaufklärungseinheit in Algier stationiert. Noch im selben Jahr gelang ihm, über Marokko und Portugal, die Emigration in die USA. Hier ließ er sich in New York nieder. 1942 veröffentlichte er dort das Buch FLUG NACH ARRAS. 1943 wurde er im Auftrag der Air Force zunächst in Algerien und später auf Sardinien stationiert. Es entstanden in diesem Jahr die Werke STADT IN DER WÜSTE, BRIEF AN EINEN AUSGELIEFERTEN und DER KLEINE PRINZ, der ihn als Literaten weltberühmt machen sollte. Saint-Exupéry startete zu seinem letzten Aufklärungsflug von Borgo auf Korsika in Richtung Südküste Frankreichs und Vercors. Von dort kam er nicht zurück. Man vermutet, dass er abgeschossen wurde und östlich von Marseille ins Meer stürzte. Antoine de Saint-Exupéry starb vermutlich am 31. Juli 1944, im Alter von 44 Jahren.
theater 89
theater 89 widmet sich wiederholt diesem Autor: von 2011 bis 2013 gab es im Fläming große, erfolgreiche open-air Aufführungen, in deren Zentrum der Roman und die Erzählung vom Kleinen Prinzen standen.
Fassung und Regie: Hans-Joachim Frank
Mit Schauspielerinnen und Schauspielern von theater 89
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